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1888-1914 war Joseph Wagenhäuser Klinikchef. Nach einem Volontariat bei Schwartze wechselte Wagenhäuser 1876 nach Würzburg zu Anton von Tröltsch, dem Begründer der Deutschen Ohrenheilkunde und Miterfinder des Ohrenspiegels. Wagenhäuser war v.Tröltschs Lieblingsschüler und wurde auch dessen Schwiegersohn. 1882 kam er nach Tübingen an die Chirurgische Klinik. Er entwickelte sich zu einem ausgezeichneten Ohrchirurgen und baute ab 1888 die Tübinger Ohrenklinik, die spätere HNO-Klinik auf.

1888 eröffnete er die Ohrenklinik unter sehr bescheidenen räumlichen Bedingungen. Bis 1920 war die Klinik im ehemaligen "Seuchenhaus" (im Tal-Klinikum, neben der Pathologie) untergebracht. Abkommandierte Militärärzte arbeiteten als seine Assistenten. Um 1900 kam ein Operationssaal hinzu.

1910, mit der Zusammenfassung von Otologie, Rhinologie und Laryngologie zur Tübinger HNO-Heilkunde, wurden der nunmehrigen HNO-Klinik "reguläre" Assistenzarztstellen zugeteilt.


Prof. Dr. Joseph Wagenhäuser

1914- 1951 leitete Walther Albrecht die Klinik. Er hatte bei Fränkel in Berlin, Killian in Freiburg und bei Wagenhäuser in Tübingen die HNO-Heilkunde gelernt. Sein besonderes Interesse galt der Endoskopie, den Operationen der Nase sowie (ab 1939) auch der Stimm und Sprachtherapie. Hinzu kamen "Taubstummheit", Otosklerose und die Rolle der "Konstitution". Er war richtungsweisend bei der Entwicklung der ursprünglich drei Einzelfächer zum Gesamtfach HNO. (1) Max Schwarz, der spätere Ordinarius in Frankfurt und Nachfolger Albrechts in Tübingen, sowie (2) Otto Steurer, später Ordinarius und Rektor in Rostock sowie UKE-Klinikdirektor in Hamburg-Eppendorf, waren seine Schüler.

1920 zog die Klinik in einen gemeinsamen Neubau mit der Hautklinik an der Liebermeisterstrasse, in welchem die Hautklinik noch heute untergebracht ist. Doch die Verhältnisse wurden bereits 5 Jahre später eng und "untragbar" (Albrecht), da die Wartezeiten auf ein Bett mehrere Monate betrugen.

1938 wurde daher das Gebäude des ehemaligen "Akademischen Krankenhauses" an der Silcherstrasse der HNO-Klinik (gemeinsam mit dem Hygieneinstitut) übergeben. Es war in mehreren Teilabschnitten zwischen 1848 und 1938 erbaut worden. In diesem Hause auf dem UKT-Campus "Kliniken Tal" blieb die Kiinik bis 2002, mit 6-8-Bettzimmern als Standardunterbringung für Patienten.



Prof. Dr. Walther Albrecht

1951-1966 war Max Schwarz Direktor der Klinik. Aus der Tübinger HNO-klinik stammend, wurde Max Schwarz zunächst Ordinarius in Frankfurt und 1951 Nachfolger seines früheren Chefs Albrechts in Tübingen. Sein Forschungsgebiet war die biologische Bedeutung der Schleimhaut bei der Entstehung des Cholesteatoms und die Pathophysiologie der Tonsillen.


Prof. Dr. Max Schwarz

1966-1988 folgte ihm Dietrich Plester. Aus Essen stammend erhielt er nach ethnographischen Studien in Afrika und pharmakologischer Ausbildung in Marburg seine HNO-Fachweiterbildung bei Wullstein in Siegen, um dann als herausragender Ohroperateur an die Düsseldorfer HNO-Klinik zu Meyer zum Gottesberge zu wechseln.
Plester sanierte das Klinikgebäude, errichtete vier Operationssäle in der Klinik und machte die Tübinger HNO-Klinik zu einem international bedeutenden Zentrum der Mikrochirurgie des Ohres. Zudem gründete er das Tübinger Innenohrlabor. Sein Forschungsschwerpunkt waren neben der hörverbessernden Chirurgie einschließlich Keramik- und Goldimplantaten die Autoimmunologie des Innenohres. "Plesterprothese" und "Plestermesser" wurden international bekannt und tragen heute seinen Namen. Eine große Zahl deutscher und ausländischer Ärzte besuchten seine jährlichen Kurse zur Mittelohrchirurgie. Seine Werke "Der Operationskurs des Hals-, Nasen- und Ohrenarztes" (zusammen mit Th. Hünermann) sowie sein "Atlas der Ohrchirurgie" wurden Standardwerke der HNO-Chirurgie.

(1) Jan Helms (später Ordinarius in Mainz und Würzburg), (2) Henning Hildmann (später Ordinarius in Bochum) und (3) Klaus Jahnke (später Ordinarius in Essen) waren seine Schüler.


Prof. Dr. Dietrich Plester

1988 übernahm Hans-Peter Zenner den Lehrstuhl, ebenfalls aus Essen stammend und in Mainz und Würzburg von Walter Kley und Jan Helms weitergebildet. Mit der Mitentwicklung der Tübinger Titanprothesen und der implantierbaren Hörgeräte, der Einführung der Laserchirurgie des Ohres und der Cochlea Implants in Tübingen führte er die Tübinger Tradition der hörverbessernden Mikrochirurgie des Ohres weiter. Zenner stärkte die Kopf-Hals-Onkologie einschließlich der organerhaltenden Laserchirurgie, der rekonstruktiven Chirurgie, der Schädelbasischirurgie und der Chirurgie des Kleinhirnbrückenwinkels. Seine Forschungen befassen sich vor allem mit der Neurobiologie des auditorischen Systems. Unter einer größeren Zahl seiner Bücher ist die "Praktische Therapie von HNO-Krankheiten" ein Standardwerk des Faches. Seit 1992 (Mit-) Gründung des Cochlear-Implant-Cenrums, des Hörforschungszentrums, des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung, der Klinischen Forschergruppe "Hörforschung", des Kopf-Hals-Tumorzentrums, des Zentrums für Neurosensorik, der Sektion Physiologische Akustik und Kommunikation sowie des Lehrstuhls Molekulare Hörphysiologie.


Prof. Dr. Hans-Peter Zenner

(1) Thomas Lenarz (heute HNO-Ordinarius in Hannover), (2) Martin Ptok (heute Klinikchef für Phoniatrie und Pädaudiologie an der MHH Hannover), (3) Peter Plinkert (später Ordinarius in Homburg, heute in Heidelberg), (4) Friedrich Bootz (später Ordinarius in Leipzig, heute in Bonn) sowie (5) Stefan Plontke (heute HNO-Ordinarius in Halle) wurden von Tübingen auf Lehrstühle für HNO-Heilkunde bzw. eine Professur für Phoniatrie und Pädaudiologie berufen. Henning Heumann war Chefarzt in Stuttgart, Serena Preyer ist heute Chefärztin in Karlsruhe. Aus dem Forschungsbereich übernahmen (6) Peter Ruppersberg (später Ordinarius für Physiologie in Tübingen), (7) Bernd Fakler (heute Ordinarius für Physiologie in Freiburg) und (8) Marlies Knipper (heute Ordinaria für Molekulare Hörphysiologie in Tübingen) Lehrstühle für Physiologie, (9) Rolf Scherzer eine Professur für Konstruktionslehre an der Hochschule Esslingen. (10) Jutta Engel, viele Jahre vom Lehrstuhl für Physiologie an die HNO-Klinik entsandt, folgte einem Ruf auf den Lehrstuhl für Biophysik an der Universität des Saarlandes. (11) Werner Hemmert führte seine Promotionsarbeit in Tübingen durch und wurde später von der Technischen Universität München auf den Lehrstuhl für Bioanaloge Informationsverarbeitung berufen.

2002 zog die HNO-Klinik in ihr heutiges, hochmodernes Domizil auf dem Schnarrenberg, auf den dortigen UKT-Campus "Kliniken Berg" , den sie sich mit zahlreichen anderen Kliniken und Instituten teilt.